Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Wer sind wir und wo wollen wir hin?

„Es war sehr intensiv, sehr harte Arbeit, aber auch sehr schön.“

Timbos kleine Taktikschule Heute: Goal Impact

"Fußball in Trümmern": Hinter den Kulissen einer Ausstellung

Neues von den Alten



Wer sind wir und wo wollen wir hin?

In der zweiten Liga zu spielen ist eine große Herausforderung für jeden Verein, wandelt man doch ständig zwischen zwei Welten. Circa zwei Drittel aller Mannschaften peilen – offen ausgesprochen oder nicht – den Aufstieg an. Für den Rest ist Platz 15 die Ziellinie. Dabei ist eine Einschätzung dazu, wie gut ein Kader tatsächlich ist, oft nur schwer möglich. Ein Indikator für gehobene Ansprüche ist dabei immer die Vorsaison. Ob der unfassbaren Rückrunde der letzten Saison, waren diese im Umfeld des FCSP recht hoch. So richtig klar wird nicht, warum die letzten Leistungen nicht mit denen vor der Sommerpause konkurrieren können. Manche wähnen den Grund in der Systemstellung auf zwei Spitzen. Doch ganz ehrlich: War es in dieser Saison mit nur einer Spitze besser?! Oder haben sich andere Vereine einfach „besser“ auf den braun-weißen Gegner einstellen können und uns austaktiert? Sind die Spieler nicht genügend motiviert?

Wenn ich ehrlich bin, kann ich nicht so recht sagen, woran es liegt. Wie Ewald im Übersteiger-Interview erwähnt: Eine Fußballmannschaft ist ein lebendiges Gebilde, in dem viele Räder ineinander greifen müssen, wenn sie erfolgreich sein will. Dass man außer einer unglaublichen Schwäche bei Standards nicht so richtig ausmachen kann, wo es denn nun hakt, macht noch unzufriedener. Das führt dann dazu, dass sich jedes kleinste Detail vom Wochenende misstrauisch angeschaut wird. Mats Moeller Daehli auf außen? Buchtmann weiter vorne auf der 10? Flum gar direkt auf der Bank und das auch noch gemeinsam mit Sahin? In Krisenzeiten wird all diesen Entscheidungen von Trainerseite nicht mehr vertraut. Dabei haben die wenigsten einen kompletten Überblick zu Trainingsleistungen und Innenleben einer Mannschaft. Zudem gehen wir alle – auch das stammt von Ewald – viel kritischer mit den eigenen Spielern um, weil wir diesen Profis jedes Wochenende zuschauen und dadurch Leistungen strenger bewerten. Nur wenige bewerten die Leistungen von Spielern außerhalb dieses Vereins. Wahrscheinlich sind die meisten Fußballfans mit den Leistungen „Ihrer“ Spieler in der zweiten Liga selten zufrieden. Schließlich wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit das gesteckte Ziel verfehlt.

Viele Kleinigkeiten bescheren uns diese bisher durchwachsene Saison. Im Hinblick auf das Spielerpotenzial ginge sicherlich mehr, doch wann hatten wir das volle Potenzial denn mal zur Verfügung? Nahezu jedes Wochenende ist das Trainerteam dazu gezwungen, eine andere Startelf auf das Feld zu schicken. Zudem wurde in der Sommerpause beschlossen, auf zwei Spitze umzustellen. Zu oft fehlte es im letzten Jahr an Durchschlagskraft. Ein Unterfangen, welches mit der Verpflichtung von Sami Allagui angegangen wurde und (noch) nicht erfolgreich ist. Wer daran nun Schuld trägt, ist dabei schwer zu sagen. Ob Allagui und Bouhaddouz auf dem Platz dann tatsächlich harmonieren, ist immer eine Lotterie. Doch nicht nur im Sturm wurden Änderungen vollzogen. Wichtige Posten im Trainerteam sind neu besetzt worden und eben auch an dieser Stelle muss Vieles von Anfang an passen, um direkt Erfolg zu haben. Häufig braucht es etwas Zeit, bis sich alles eingegrooved hat.

Zeit. Die hat man im Profifußball auf und neben dem Platz eher selten. Besonders in Liga zwei. Erfolge müssen her. Am besten noch in den letzten beiden Spielen vor der Winterpause. Sonst werden die kritischen Stimmen immer lauter. Danach wird sich zeigen, welche Form der Winterpause das Trainerteam erwartet. Passend zu dieser wegweisenden Woche haben wir zwei blau-weiße Gegner zu Gast.

Der MSV Duisburg ist neu in der Liga. Zwar gehören die Meidericher gefühlt zum Inventar im Unterhaus, doch sind sie in der (glücklichen) Lage mit Platz 15 durchaus zufrieden zu sein. Schlechte Leistungen sind kein Genickbruch, schließlich ist man Aufsteiger. Nach einem durchwachsenen Start, konnten in den letzten Partien einige Punkte mit Minimalisten-Fußball erhamstert werden. Ähnlich wie bei uns setzte es aber gerade eine 0-4 Klatsche (gegen Jahn Regensburg). Cheftrainer Ilia Gruev kennt das Leben in Liga zwei mit Stationen als Co-Trainer in Kaiserslautern und Duisburg (auch als Co-Trainer) schon gut genug, um sich dadurch nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Die Leistungen der Mannschaft sind schwankend. Auf einen starken 4-0 Erfolg in Bielefeld folgte eine Schlachtung mit einem 1-6 zuhause gegen Nürnberg. Duisburg kommt also als Wundertüte ans Millerntor, wird aber trotzdem wohlwollend empfangen. Schließlich haben wir das letzte Mal 1992 verloren, wenn wir dem „Zebra-Twist“ zuhause lauschen durften. Wir hätten sowieso nichts dagegen, wenn wir den Spielverlauf vom 22. August 2011 wiederholen und nach einem 2-1 in der Nachspielzeit kräftig im Bier duschen.

Mit dem zweiten blau-weißen Gegner wird dann bereits die Rückrunde eingeläutet. Spätestens, wenn sich die Rauchschwaden der Wunderkerzen am Montagabend verzogen haben, dürften wir alle den VfL Bochum erkennen. Sofern nicht Herbert Grönemeyer schon vorab als ausreichender Hinweis gedeutet wurde. Wenn wir momentan schon kritisch mit unserer Mannschaft umgehen, müssen wir uns fragen, was aktuell in Bochum abgeht. Nach zwischenzeitlichem Auf und Ab ging es die letzten Wochen nur noch nach unten. Nun hält man sich mit Ach und Krach knapp vor den Plätzen auf, die zum Abstieg berechtigen. Während bei uns das Trainerteam zumindest die ganze Sommerpause Zeit hatte, um sich auf die Spielzeit samt Mannschaft einzustellen, wurde im Ruhrpott zwei Wochen vor Saisonstart von Gertjan Veerbek auf Ismail Atalan gewechselt. Was auch immer die Intention dahinter war, geklappt hat es nicht. Nach der Heimniederlage zum Auftakt gegen den FCSP war acht Spiele später auch schon wieder Schluss für den Neuling. Mit dem neuen Trainer, Jens Rasiejewski, läuft es nicht wirklich besser. Bis zur Winterpause geben die Vereinsverantwortlichen dem Interimstrainer, um dann für oder gegen ihn zu entscheiden. Wohlgemerkt, auf Basis von Ergebnissen mit einer Mannschaft, die ein anderer Coach zusammengestellt und noch ein anderer in den Mist geritten hat. Eine faire Chance sieht anders aus. Es kann also erwartet werden, dass Jens Rasiejewski um seinen Job spielt und dementsprechend viel Risiko eingehen wird. Hoffen wir mal auf ein offenes Spiel mit dem besseren Ende für uns. Das wäre dann der dritte Sieg gegen die Bochumer im Kalenderjahr 2018. Habe ich ausdrücklich kein Problem mit.

Noch ist nicht ganz deutlich, was man aus dieser Saison mitnehmen kann. Die Leichtigkeit der letzten Rückrunde und Torgefahr sind auf jeden Fall kein Teil davon. Geht man zurück zu den Wurzeln, dann erinnert man sich, dass in grauer Vorzeit die Mannschaft in braun-weiß, technisch häufig unterlegen, die Gegner aus dem eigenen Stadion gebissen hat. Die Heimstärke vergangener Zeiten wiederzufinden, wäre doch schon mal ein Anfang! Forza!

//flippa
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