Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Nostalgie, Du charmantes Ding!

25 Jahre, 132 Hefte, 58 Siege

Das Zeugwartdenkmal

Neues von den Alten



Nostalgie, Du charmantes Ding!

Vergleicht man den Kader des FCSP bei der ersten Ausgabe des Übersteigers mit dem heutigen, dann findet man an Zusammenhang: nichts. Außer einem (nicht verwandten) Zander und Andre Trulsen, dem wir an dieser Stelle gratulieren zu Platz 3 in der ewigen Torschützenliste des Übersteigers.

An eine Viererkette war am Samstag, den 28. August 1993, um 15.30 Uhr noch nicht zu denken. Vor Andreas Reinke, der im Sommer vom Nachbarn kam und später mit Werder Bremen Deutscher Meister werden sollte, hielten Dammann, Stanislawski und Schlindwein die Stellung. Das sollte auch den Rest der Saison ziemlich gut klappen. Immerhin standen nach 38 Spielen nur 39 Gegentore auf dem Konto.

Trainer Seppo Eichkorn schickte ein 5er-Mittelfeld mit Gatti, Zander, Philipkowski, Gronau und dem aus Oberhausen nach Hamburg gewechselten Carsten Pröpper, ins Rennen, das sich für die zweite Liga sehen lassen konnte und durchaus ein Grund war, warum bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg gespielt wurde. Dieser wurde beim Saisonabschluss in Wolfsburg bei einem 1:4 dann allerdings weggeschenkt.

In der Spitze rackerten sich an diesem Spätsommertag Ari Hjelm, welcher bis 1990 selbst bei dem damaligen Gegner spielte, und Martin Driller ab. Driller erzielte in dem Spiel auch gleich zwei seiner neun Saisontore und sollte damit trotzdem nicht (heutzutage undenkbar) Toptorschütze des FCSP 1993/94 sein. Das wurde nämlich Marcus Marin mit satten 10 Buden. Marin schlägt dann auch die Brücke zum damaligen Gegner – schließlich spielte er für die Blau-Weißen, als diese dem FCSP eine sehr empfindliche Niederlage zufügten. Achtung! Beim Namen zucken seit dem Relegationsspiel um den Verbleib in der 1. Bundesliga am 29.06.1991 immer noch einige schmerzhaft zusammen, deswegen ganz vorsichtig verpackt; es waren die Kickers aus Stuttgart.

Wem das an (teilweise schmerzhafter) Fußballnostalgie noch nicht ausreicht, dem sei der damalige Trainer der Kickers ans Herz gelegt; Lorenz-Günther Köstner. Dieser wechselte anschließend zur Spielvereinigung aus Unterhaching und schrieb ein Stück Bundesligageschichte mit, als die Oberbayern dem sicheren deutschen Meister durch ein 2:0 am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 den Stempel „Vizekusen“ verpassten. Ebenfalls versteckt im Kader waren weitere ungeahnte Größen wie Tayfun Korkut und Thomas Tuchel. Auflaufprämie am Millerntor gab es für diese Herren jedoch nicht. Ebenso wenig wie für das „Sturm-Krokodil“ Sean Dundee, welcher später für den KSC in der Bundesliga Tore erzielte und im Eilverfahren eingebürgert wurde um die schwächelnde deutsche Nationalmannschaft zu unterstützen. Ergebnis: Er saß ein Spiel lang auf der Bank. Im Sturm spielte statt Dundee der 21-jährige Fredi Bobic und holte sich an diesem Tag die rote Karte ab.

Wer weiß, vielleicht können wir in 25 Jahren ebenfalls mit solchen Rückblicken die aktuelle Spielzeit romantisieren. Drei Spieler von damals spielen oder spielten auch lange Zeit nach Ihrer Profi-Karriere eine wichtige Rolle im Verein (Stanislawski, Trulsen, Philipkowski). Traut man das Spielern aus dem jetzigen Team zu? Wir werden sehen.

Viel hat sich geändert in 25 Jahren. Sogar ein Blick auf die Teilnehmer im Unterhaus der Bundesliga der Saison 1993/1994 lässt in Nostalgie schwelgen. Essen, Mannheim, Saarbrücken, Wuppertal und Fortuna Köln… da kann das Herz schon mal höher schlagen. Zudem hatten Fans von Vereinen aus der 2. Liga in diesem Jahr die Chance, den Nimbus aller Auswärtsfahrten von der Bucket-List zu streichen und jede Diskussion über „tolle“ Touren mit dem Totschlagargument „Ich war in Meppen!“ zu beenden. Genau zwei Vereine von damals befinden sich auch in dieser Saison in Liga 2: Der VfL Bochum und der FC St. Pauli. Ob nun ausgesprochen oder nicht - Vereine in dieser Liga kennen nur zwei Ziele: Aufstieg oder Klassenerhalt. Dazwischen gibt es nämlich nichts, was zu langfristiger Zufriedenheit und Erheiterung im eigenen Lager führt.

Die Gruppe „Aufstieg“:

Natürlich gehört der Nachbar dazu und ist, wie die Kölner, als Absteiger aus der Bundesliga mit hohem Risiko, weil hohem Etat, unterwegs. Ein Blick auf die Kader der beiden schlafenden Riesen, deren Erwartungshaltung im Umfeld eigentlich nur mit der CL-Qualifikation zufrieden zu stellen ist, bestätigt die obige These. Problematisch für viele Absteiger aus dem Oberhaus ist die Umstellung auf den doch teilweise recht rumpeligen Fußball in Liga 2. Während in der Bundesliga eher hohes Tempo und Technik gefragt sind, ist es in Liga zwei auch mal die Grätsche. Dabei gehen die beiden Vereine ähnliche Wege. Vereinzelt konnten erfahrene Spieler (siehe Holtby und Hunt beim HSV sowie Horn und Hector in Köln) gehalten und der Kader mit viel jungem Talent aufgefüllt werden. Ob das klappt, wird man am Ende sehen.

Damit scheint Platz 1 und 2 vergeben. Dahinter streiten sich eine ganze Menge Mannschaften um die Chance, endlich mal oben anzuklopfen. Union Berlin, VfL Bochum und der FCSP versuchen das seit einigen Jahren und haben dabei Jahr für Jahr einen Kader, mit dem sich zumindest auf dem Papier daran arbeiten lässt. Dazu kommen noch die beiden Bundesliga-Absteiger aus dem letzten Jahr (Darmstadt und Ingolstadt) mit schlagkräftigen Argumenten sowie mit Kiel, Duisburg und Bielefeld drei Vereine, die bereits letztes Jahr zeigten, dass der Kader für mehr als Platz 10 geeignet ist. Damit wäre dann auch schon mehr als die halbe Liga aufgezählt. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt außerdem, dass Aufsteiger aus der dritten Liga recht fix mit den anderen Vereinen mithalten können (das wären dann Magdeburg und Paderborn). Kiel war in der letzten Saison das beste Beispiel.

Die Gruppe „“Klassenerhalt“:

Fürth, Dresden, Heidenheim und Sandhausen konnten letztes Jahr den Abstieg knapp verhindern. Ebenso St. Pauli – mit krasser Vereinsbrille aber schon oben aufgezählt. In Aue war es sogar noch knapper und gelang nur über die Relegation. An dieser Stelle Prognosen abzugeben, ist völliger Nonsens. Doch gerade in Baden-Württemberg (Heidenheim und Sandhausen) steht eine schwierige Saison bevor.

Bis Spieltag 25 ist ein buntes hin- und herwechseln zwischen beiden Gruppen zu erwarten. Wir sind also nicht schlauer als zuvor. Bedienen wir uns lieber einer Floskel, denken von Spiel zu Spiel und schauen uns den heutigen Gegner nochmal genauer an.

1993 wären bei dem Duell Carsten Jancker, Horst Heldt, Bodo Illgner und Toni Polster am Millerntor aufgelaufen, während Morten Olsen (aktuell Trainer der dänischen Nationalmannschaft) mürrisch von der Bank aus zugeguckt hätte. Heutzutage sind das Terodde, Höger, Horn und Risse zusammen mit dem ehemaligen Trainer von Holstein Kiel: Markus Anfang. Wer sich an den Spielstil der Kieler aus dem letzten Jahr erinnert, weiß, dass ständiges Tore schießen im Vordergrund steht. Mit den Kölnern am Millerntor sind auch drei Ehemalige. Kessler und Lehmann lassen an Bundesliga-Zeiten erinnern. Mit Sobiech kehrt unser jahrelanger Defensivleuchtturm zurück. Ein warmer Empfang ist garantiert.

Die Kölner starteten mit einem Sieg gegen Bochum und einem Punkt in Berlin in die Saison. Sofern wir die beiden Gegner zu recht weiter oben zur Aufsteigergruppe gezählt haben, dann lässt sich das durchaus sehen. Im Pokal wurde sich, im Gegensatz zu unserem Ergebnis, keine Blöße gegeben und beim 9:1 gegen den Sympathieträger-Verein BFC Dynamo die Offensivkraft zur Schau gestellt.

Aber wie gehabt (und zwar seit über 25 Jahren), nützt das ganze spielerische Talent wenig, wenn Du hier spielst und Nehrig/Stanislawski Dir in Wade beißt, während Buchtmann/Gronau den Ball klaut. Die drei Punkte bleiben hier! Forza!

//flippa
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