Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Ultrà Sankt Pauli vs. "die normale Gegengeradenbesucherin"

„Sie sind Teil einer großen Fanszene. Manchmal ist sie solidarisch“

Denn es ist mehr als Fußball...

Das Märchen von denen, die auszogen, den Bunker zu begrünen

Neues von den Alten



„Sie sind Teil einer großen Fanszene. Manchmal ist sie solidarisch“

Dieter Bänisch, ehemaliger Geschäftsführer des Vereins Jugend und Sport e. V., über den Umgang mit den Ultras beim FC St. Pauli

Tja ,so ein Derby wirft seine Schatten voraus und eben auch einige hinterher. Rund um das Spiel blieb es zwischen den Fanlagern einigermaßen friedlich. Der Bundesliga-Absteiger musste wegen des Abbrennens fünf bengalischer Feuer die obligatorische Strafe zahlen – in diesem Fall 2250 Euro. Vor dem Spiel gab es einen bis dato nicht aufgeklärten Überfall von Ultras des FC St. Pauli auf die Ultras des HSV, bei dem eine Choreografie zerstört wurde. So weit, so unschön.

Aber auch im Stadion kam es zu unschönen Szenen und hier lassen wir mal den HSV beiseite und widmen uns deneigenen Fans. Immer wieder mal gibt es Kritik an dem Verhalten einiger unter deneigenen Ultras – eher verhalten, weil offenbar keiner das doch ziemlich volle Fass aufmachen möchte. Stephan Lehman, 66, seit dreißig Jahren Vereinsmitglied, möchte - weil es doch ein Unding sei, von den eigenen Ultras verjagt, beschimpft, bedrohtund beleidigt zu werden. „Das kann natürlich nicht angehen und ist auch nicht zu tolerieren“, sagt der ehemalige Geschäftsführer des Vereins Jugendund Sport e.V., Träger des HSV-Fanprojektes und des St. Pauli Fanladen, der im vergangenen Jahr die Geschäfte des Vereins an Stefan Schatz vom Fanladen abgegeben hat.

Aber die Problematik ist für ihn, selbst auf der Gegengeraden stehend, nicht neu. „Die gibt es schon, seit es die Ultras gibt. Aber es ist natürlich ein Unterschied, ob man über den Support diskutiert oder über Gewaltandrohung gegen die eigenen Fans“, so Bänisch. „Es ist ja verständlich, dass die Ultras als geschlossene Gruppe auftreten möchten, aber doch nicht bedrohlich und auf Kosten anderer Fans. Das ist selbstverständlich ein Unding und da ist ein Gegensteuern auch alternativlos. Da kommt erstmal der Fanladen ins Spiel mit organisatorischen Lösungen.“

Die St. Pauli Ultras genießen viele Privilegien im eigenen Stadionundauswärts und man würde sich auch von Vereinsseite gelegentlich eine kritischere Begleitung dieser von jungen, nicht immer friedliebenden Männern dominierten Jugendkultur wünschen. Bänisch: „Die Ultras sind Teil einer große Fanszene, aber die ist eben nicht immer solidarisch.“ Bei schweren Verletzungen im Umgang miteinandermüsse man eben auch mal sagen: „Halt stopp, liebe Ultras, so läuft das nicht.“, so der Diplomsozialpädagoge. „Es gibt hier Regeln und das muss dann auch der Verein ansprechen, der die ganzen Privilegien gewährt, und diese Regeln im Umgang miteinander durchsetzen. Zur Not auch mit dem Entzug eben dieser Vorzugsbehandlung, die die Ultras bei St. Pauli genießen.“

Im Sinne von Fan Stephan Lehmann ist es zumindest, dass innerhalb des FC St. Pauli in aller Breite über das Zusammenfansein von Ultras und anderen eine Diskussion angestoßen wird. Dies ist auch aufgrund zahlreicher Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit zwischen unseren und anderen Ultragruppierungen längst überfällig,verbunden mit der Frage, wie man es so mit der Gewalt, die da im Spiel ist, hält. „Das kann gut sein, dass sich der eine oder andere bei dem Thema gerne raushält und das Verhalten stillschweigend hinnimmt“, sagt Bänisch. „Aber nur mit verbindlichen Regelungen - auch für die Ultras -, kriegen wir das geregelt.“

//tati
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