Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Selbstkritisches zur #134 – der 'Ultra-Ausgabe'

Informieren, Austauschen und Diskutieren

FC Lampedusa – 5 Years FCLSP

Neues von den Alten



Informieren, Austauschen und Diskutieren

(M)Ein Verein am 04.04. im Ballsaal

Einmal kurz zurück, denn es ist ja schon‘ne Weile her…

Mi 06.03. Ankündigung Wertediskussionsabends am 04.04. Themen: „Marketing / Sponsoring und Werte“, „Frauen beim FC St. Pauli“ und das Problemfeld „Gewalt rund um den FC St. Pauli“

So 10.03. ‚gedrehte Quadrate‘ am Millerntor (Derby)

Sa 16.03. Sandhausenklatsche

Do 28.03. Veröffentlichung des Maßnahmenpaketes bzgl. Derby

Fr 29.03. Duisburg (H) 0:0

So 31.03. Änderungsankündigung Vereinshomepage zu „(M)Ein Verein – die Werte des FC St. Pauli“ – Schwerpunkt Derby-Aufarbeitung:

Der FC St. Pauli und der Fanladen St. Pauli laden […] zu einem Diskussionsabend zum Thema „(M)Ein Verein – die Werte des FC St. Pauli“ […] ein. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung und aufgrund der Vorkommnisse rund um das Spiel gegen den Hamburger SV haben die Veranstalter den thematischen Schwerpunkt geändert, da nach dem Derby im Verein und der Fanszene großer Redebedarf besteht. [...] Bei der Veranstaltung […] eröffnet Präsident Oke Göttlich mit einem Statement zu den Werten des FC St. Pauli. Anschließend wird Sven Brux [...] aus seiner Sicht zu den Vorkommnissen beim Derby Stellung nehmen. Danach wird Justus Peltzer vom Fanladen die Geschehnisse aus Sicht des Fanladens einordnen. Im Anschluss daran ist eine offene Aussprache geplant. [...]

Dreieinhalb Wochen nach dem Derby und eine Woche nach der Veröffentlichung des Maßnahmenpaketes also. Und schon beim Warten bis zur Öffnung um 19:00 Uhr und beim Betreten des Ballsaals wird ziemlich schnell klar, dass der Andrang sehr hoch ist und die Emotionen vielleicht noch nicht gänzlich runtergekühlt sind. Vermeintlich schwierige Voraussetzungen für einen konstruktiven Austausch.

Da die aufgestellten Stühle beileibe nicht ausreichen, fassen alle mit an, um weitere aufzustellen und letztendlich kann pünktlich begonnen werden. Von unkompliziertem und vor allem gemeinsamem Krisenmanagement (ohne zu murren!) zu sprechen, wäre zwar übertrieben, trotzdem für mich bemerkenswert.

Im Publikum können Uwe Stöver und Andreas Rettig gesichtet werden. Viele Menschen stehen neben und hinter den Stühlen und selbst am Eingang zum Flur hat sich eine stehende Menschentraube gebildet. Proppevoll also. Oke Göttlich spricht später von ca. 800 Menschen und der Überraschung hinsichtlich dieser hohen Anzahl.

19:30 Uhr, alles ist bereit. Einleitung, Vorstellung, Ausblick und Rahmen des Abends schon mal absolut TOP. Eine unaufgeregte Präsentation und damit sehr gute Voraussetzungen für diesen relativ nah an den Ereignissen stattfindenden Diskussionsabend. Dazu auch noch kompetent und hochrangig besetzt. Zwei gut platzierte Standmikrofone für Wortmeldungen, die der Reihe nach möglich sind und auch das Reinreichen der Mikrofone ins Publikum ist möglich und wird genutzt. Dazu zwei Gebärdendolmetscherinnen, die prominent vor der kleinen Bühne platziert sind. Was wollen wir mehr?!

Es geht los

Nach der Einleitung durch Michi Thomsen und Maleen Schero beginnen die Beiträge und Informationen von Präsidium (Oke Göttlich), Leiter Veranstaltung und Sicherheit (Sven Brux) und Fanladen (Maleen und Justus). Es gibt keine Unterbrechungen und der Input wird sehr interessiert aufgenommen. Im Anschluss an die Darstellung der Geschehnisse aus der jeweiligen Perspektive ist die Runde für Fragen und Wortmeldungen aus dem Publikum eröffnet. Sie werden gesammelt und von Präsi, Fanladen oder Brux beantwortet.

Der erste freie Wortbeitrag weist darauf hin, dass Pressevertreter im Raum sind, weshalb ja nicht allzu frei gesprochen werden könne – konkret handelt es sich um den Wunsch, diese auszuschließen, dem aber nach kurzer Irritation m.E. verständlicherweise (und einigermaßen begründet) nicht stattgegeben wird. Damit ist dann auch klar, dass es direkt aus dem Inneren der Südtribüne wohl keine Wortmeldungen geben wird. Schade, aber für mich eben auch ein Stück weit verständlich in Zeiten von starker Fanrepression. Wer hat schon Lust, auf eine scheinbar wahllos geführte Liste der Strafverfolgungsbehörden zu kommen?! Der offene Teil der Veranstaltung beginnt…

Fragen und Beiträge

Insbesondere am Anfang gibt es ab und an seltsam anmutende Beiträge und für mein Empfinden auch etwas undifferenzierten Quark. Geschenkt. Es ist auch nicht jede*r gewohnt vor 800 Menschen in ein Mikrofon zu sprechen. Einige lassen sich vielleicht im Überschwang der Emotionen das Mikro reichen und teilen dann der Menge ihre Befindlichkeiten mit. Andere haben scheinbar wohlüberlegte (Detail-)Fragen, deren Beantwortung auch versucht wird – mal schlechter und mal besser, aber insgesamt sehr gut. Je länger der Abend, desto unaufgeregter, sachlicher und konstruktiver empfinde ich die Beiträge und Fragen.

Aber auch aus dem nicht allzu professionell Vorgetragenen kann ich zumindest für mich, durch die direkten Reaktionen im Raum, einiges mitnehmen. So war der Ärger beim Derby wohl tatsächlich nicht komplett gegen die Südtribüne, bzw. USP gerichtet, sondern bezog sich vielmehr auf die Auslöser der zu beobachtenden Geschehnisse.

Darüber hinaus gibt es Infos, wie z.B., dass das Kartenkontingent von 300 auf 200 Karten reduziert wurde. Hinsichtlich der Dauer äußern sich die Verantwortlichen dahingehend, dass hier die Wiedererlangung von verlorenem Vertrauen im Vordergrund steht.

Andreas Rettig meldet sich zum Thema Pyro und wie es bislang bei St.Pauli gehandhabt wurde. Die Bemühungen von Vereinsseite haben sich immer auf die gefahrlose und kontrollierte Nutzung konzentriert. Er schließt mit einem kämpferischen Appell an die Anwesenden, den Zusammenhalt zu stärken und die noch vorhandene Chance zum Aufstieg zu nutzen.

Die Bühnenmenschen haben auf mich einen durchgehend aufgeschlossenen, konzentrierten, informierten und interessierten Eindruck gemacht. Da kam bei mir nicht nur inhaltlich etwas rüber, sondern auch Betroffenheit und Ernsthaftigkeit; ein Dank geht von mir hier insbesondere an das ehrenamtliche und ggf. persönlich haftende Präsidium und die Organisator*innen!

Abschließend

Noch lange nach Schluss des Abends wurde viel diskutiert. Neben den neuen Informationen habe ich für mich von der Veranstaltung mitgenommen,
- dass wir auch bei emotionalen Themen miteinander reden können,
- die Südtribüne und die Vorkommnisse auch von einer breiteren Masse durchaus differenziert gesehen werden,
- es auf der Veranstaltung einen direkten Austausch mit dem Kern der Südtribüne leider (aus mir aber verständlichen Gründen) nicht gab,
- das Thema von allen Beteiligten ernst genommen, intern diskutiert und angegangen wird,
- es ein sehr gutes Format zum Austausch ist, das noch wesentlich länger hätte gehen können.

Es gab letztendlich für mich kein richtiges Ergebnis, zwar gute und nachvollziehbare Antworten, auch Antworten, die weitere Fragen aufwerfen, aber sehr vieles bleibt bei mir diffus. Letztendlich war dies aus meiner Sicht zwar nur ein erster und unvollständiger, aber ein sehr wichtiger, konstruktiver und guter erster Schritt in die richtige Richtung!

//ratzfatz
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