Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Der Saisonverlauf – Ein Rückblick

Rasen betreten verboten

Beauftragte für Fans mit Behinderung beim FC St. Pauli – was war, was ist, was wird.

„Ich habe mir meine Auslösung verdient“, ein Interview mit Thees

Fanclub Scarecrows Sankt Pauli - aus einer Katerlaune heraus entstanden



Fanclub Scarecrows Sankt Pauli
- aus einer Katerlaune heraus entstanden

Wir vom Fanclub Scarecrows Sankt Pauli gründeten uns im Spätsommer aus der Schnittmenge von FCSP-Anhängern eines Vorgängerclubs, der negativ durch verbale Entgleisungen eines Mitglieds aufgefallen war. Nach dem Austritt ebendort, Reuebekenntnissen und Kopfzermartern über das Warum, Wieso, Weshalb entwickelten wir uns zu einem verschworenen Haufen. Es war notwendig uns komplett neu aufzustellen, sowohl strukturell als auch in der Außendarstellung. Zum Beispiel brauchten wir eine auf unsere Bedürfnisse abgestimmte Satzung, die bis heute diverse Veränderungen durchgemacht hat. Und die Kommunikation untereinander musste ebenfalls auf komplett neue Füße gestellt werden. Unterm Strich kann man sagen, dass wir aus einer schweren Katerstimmung entstanden sind.

Kurze Zeit später begannen die Planungen für ein Treffen mit einem Gros der Mitglieder und Ende des Jahres 2013 war es dann soweit. Das erste Treffen fand in Dinslaken (NRW) statt. Viele lernten sich bei dieser Gelegenheit wohl das allererste Mal kennen, weil viele weit voneinander weg wohnten. In einer Privatkneipe mit reichlich Speis und Trank waren wir unter uns und hielten eine erste Fanclubsitzung ab.

Harmonie untereinander ist uns sehr wichtig. Und wenn es mal kracht im Gebälk, dann taugt der direkteste Weg zur Konfliktlösung erfahrungsgemäß am meisten. Zum Glück liegt das jetzt aber auch schon lange zurück. Einige Leute von damals sind heute noch dabei. Die Größe von knapp 30 Mitgliedern im Alter zwischen 16 und Ü60, verteilt über 8 Bundesländer ist trotz einiger Fluktuationen stabil geblieben. Es gibt eine öffentliche Facebook-Seite von uns, die jederzeit zugänglich ist, und auch eine interne FB-Gruppe für Mitglieder. Es sind aber auch welche dabei, die mit FB nichts am Hut haben.

Ob Student, Altpunker, Handwerker, sozial Arbeitende, bleistiftspitzende Sesselfurzer ... egal, vernarrt in den magischen FCSP und fußballverrückt sind wir alle. Hauptsächlich auf der Gegengeraden (nahe Süd), auf der Nord oder auf der Süd. Unsere Stammkneipe ist das St. Pauli Eck bei Brigitte. Ab und an kommen einige von uns auch bei Auswärtsspielen zusammen.

Weshalb denn ‘Scarecrows’?

Ende 2013 wurden einige von uns als "potthäßliche Vogelscheuchen" tituliert. Anfänglich eher als Beleidigung gedacht, kam dann einer auf die Idee, dass man das zum Fanclubnamen machen könnte. So heißen wir nun ‘Scarecrows’.

Die Liebe zum FCSP leben wir hauptsächlich auf den Rängen am Fußballfeld aus, aber ohne das Hirn am Einlasstor abzugeben. Jeder, der bei uns ist, trägt seinen Obolus dazu bei, Mitgliedern die Teilnahme an Fanclubaktivitäten zu erleichtern. Von jedem Euro legen wir 20 Cent hierfür beiseite. Es reicht nicht, sich zu den Leitlinien des FCSP und zur Stadionordnung zu bekennen. Dieses Selbstverständnis muss auch gelebt werden! Unser Budget ist klein. Das ist auch so gewollt. Aber wir tun, was wir können, um von dem, was wir haben, etwas abzugeben für diejenigen, die noch weniger haben oder gemeinnützige Projekte zu unterstützen. Fußball auf St. Pauli ist schon lange mehr als nur Fußball; spätestens seit Ende der 1980er Jahre. Damals war ich die ersten Male im Stadion, aber mir wäre es mit meiner Antihaltung gegenüber Mainstream und Konformität völlig suspekt vorgekommen, bei St. Pauli ständig dabei sein oder gar in einen Fanclub eintreten zu wollen. Aber im Wandel der Zeit sollte sich das nach dem letzten Aufstieg in die Bundesliga Ende 2010 ändern. Die ersten zwei Jahre ging ich dann regelmäßig ins Stadion, obgleich es seinerzeit bekanntermaßen pausenlos auf die Fresse gab.

Facebook bleibt schwierig

Im Laufe der Zeit begannen wir mit der Produktion eigener Aufkleber, T-Shirts oder anderer Fan-Devotionalien. Den großen Entfernungen untereinander ist es geschuldet, dass ein Großteil der Kommunikation untereinander bei Facebook stattfindet. Dies sorgt in der Regel für schnellen Informationsfluss, bringt manchmal aber auch schwer einzuschätzende Risiken mit sich.

Facebook bleibt ein schwieriges Pflaster. Übertriebene Selbstdarstellungen und wechselseitige Beleidigungen (Hasstiraden auf den HSV z. B., die bei Facebook eher noch weiter ausufern) wie auch sinnstiftende Solidaritätsbekundungen für einen wirklich guten Zweck wechseln sich dort tagtäglich ab. Eine permanente Herausforderung für alle aufmerksamen St. Pauli-Fans mit Facebook-Account.

Einen Präsi gibt es übrigens bei uns nicht. Wir fahren gut damit, dass sich bestimmte Aufgaben wie Kasse, Merch z. B. auf unterschiedliche Schultern verteilen um möglichen Alleingängen keinen Vorschub zu leisten. Das entlastet den Einzelnen von zu viel Verantwortung. Wer sich oder seinen Standpunkt allzu wichtig nimmt, der wird sich bei uns eh nicht lange wohl fühlen.

Und sonst?

Was gemeinsame Aktivitäten mit anderen Fanclubs anbelangt, haben wir sicherlich noch Luft nach oben. Auf der To-Do-Liste stehen gemeinsame Treffen meist weit oben, bleiben aufgrund der unterschiedlichen geografischen Lage der Mitglieder aber eine Herausforderung. Aber dass wir aus völlig unterschiedlichen Orten kommen, macht nach wie vor den besonderen Reiz unserer Gruppe aus, der uns von dem ein oder anderen offiziellen St. Pauli-Fanclub vielleicht etwas abhebt. Und wenn man an unsere Herkunftsgeschichte denkt, dann haben wir sogar ein Alleinstellungsmerkmal. Wir würden auch gerne ein paar Hamburger dazu holen, um sich mal zwischendurch treffen zu können. Und ob wir letzlich ein ganz normaler Fanclub neben anderen sind, mögen andere beurteilen. Wir sehen uns bei Brigitte!

//GeJo
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